Yoga bei schlechtem Wetter gegen den Winterblues
Schau mal kurz aus dem Fenster.
Wenn du in Deutschland lebst, siehst du wahrscheinlich gerade eine Wand aus fünfzig verschiedenen Grautönen. Es ist dieses fiese Wetter, das nicht mal den Anstand hat, ein echtes Unwetter zu sein. Es ist einfach nur nass, kalt und kriecht dir langsam in die Seele.
Seien wir ehrlich: Bei diesem Wetter sich zu bewegen, fühlt sich an wie ein Verbrechen gegen die eigene Biologie.

Dein Gehirn schaltet sofort in einen Modus, den ich gerne "Energiesparmodus" nenne. Wir sitzen auf der Couch, die Fernbedienung in der einen, vielleicht einen Keks in der anderen Hand, und fühlen uns mies. Richtig mies. Wir sehen diese hyperaktiven Menschen auf Social Media, die bei Nieselregen joggen und dabei strahlen, als hätten sie im Lotto gewonnen. Und wir? Wir fühlen uns wie ein nasser Sack Kartoffeln, den jemand an der Bushaltestelle vergessen hat.
Dazu kommt die Physis: Durch die Kälte ziehen wir draußen die Schultern permanent bis zu den Ohren hoch. Wir laufen verkrampft herum. Der Nacken ist steif, der Rücken meckert, und die Laune liegt irgendwo im Keller.
Der Ausweg für Faule (Ich meine: Energiebewusste :-)
Hier kommt Yoga ins Spiel. Vergiss mal kurz die Bilder von Menschen, die ihre Füße hinter den Kopf klemmen und dabei vegane Gedichte rezitieren.
Ich rede von Yoga als Überlebenstraining für deine Stimmung. Der massive Vorteil, den dir kein Fitness-Influencer verrät: Yoga ist der einzige "Sport", der dir erlaubt, im Grunde genommen auf dem Boden liegen zu bleiben. Du brauchst keine Schuhe. Du kannst deinen ältesten Schlafanzug anlassen. Du musst nur die zwei Meter von der Couch auf den Teppich schaffen.
Probier es jetzt mal aus. Ernsthaft. Niemand sieht dich.
1. Die Stellung des Kindes Knie dich auf den Boden. Leg den Oberkörper nach vorne ab, Stirn auf den Teppich, Arme entspannt nach hinten oder vorne. Du kauerst dich zusammen wie ein Fötus. Das passt hervorragend zur allgemeinen Stimmung ("Die Welt ist böse und kalt, ich will hier weg"). Aber der Witz ist: Es dehnt den Rücken sanft auf. Du tust technisch gesehen etwas für deinen Körper, während du emotional resignierst. Besser geht´s nicht..
2. Katze und Kuh (Gegen den steifen Rücken) Geh in den Vierfüßlerstand. Einatmen: Rücken durchhängen lassen, Kopf heben. Ausatmen: Runder Katzenbuckel, Kinn zur Brust. Stell dir vor, deine Wirbelsäule ist ein nasser Lappen, den du auswringst. Wenn es knackt, ist das gut. Das ist nur der Rost, der abfällt. Mach das fünfmal. Merkst du, wie ein bisschen Wärme entsteht? Von innen?
3. Der herabschauende Hund (Der Perspektivwechsel) Hintern hoch, Hände in den Boden drücken, ein umgedrehtes V bilden. Kopf hängen lassen. Ja, das ist anstrengend. Aber das Blut fließt in den Kopf. Die Welt steht Kopf, was bei der aktuellen Nachrichtenlage vielleicht die einzig sinnvolle Betrachtungsweise ist.
Wenn du dich jetzt wieder aufrappelst, wirst du merken: Hey, das Drücken in der Brust ist weg. Die Schultern sind tiefer. Du hast dem Wetter den Mittelfinger gezeigt – ganz achtsam, natürlich :-) .
Aber hier ist der Haken an der Sache mit dem "Heim-Yoga", den wir alle kennen: Während du da im herabschauenden Hund stehst, siehst du plötzlich diese eine Wollmaus unter dem Sofa. Oder dein Handy blinkt auf. Oder der Kühlschrank summt so verführerisch. Zu Hause ist die Disziplin ein flüchtiges Wesen. Der Weg zurück auf die Couch ist verdammt kurz, und morgen hat dein innerer Schweinehund bestimmt wieder eine neue Ausrede ("Heute ist es aber wirklich dunkel").
Es ist schwer, diese Energie alleine aufrechtzuerhalten. Man macht mal zehn Minuten, dann lässt man es drei Wochen schleifen, und zack – hallo Rückenschmerzen, hallo Winterblues.
Manchmal braucht man einfach einen Ort, an dem das Handy aus ist. Einen Ort, wo man nicht über die Wollmaus nachdenkt, sondern wo jemand anderes einem sagt, was man tun soll, damit man den Kopf endlich mal ausschalten kann. Es hat etwas Magisches, sich von der Gruppe tragen zu lassen, wenn die eigene Motivation gerade im Winterschlaf ist.
Falls du also merkst, dass dein Teppich zwar ganz nett ist, aber deine Willenskraft Unterstützung braucht: Wir sind für dich da.
Wir bieten jede Menge Kurse an – morgens für die Frühaufsteher, abends für die Stressgeplagten, sanft für Einsteiger oder fordernd für die, die sich richtig auspowern wollen. Schau einfach mal in unseren Plan. Da ist sicher eine Zeit dabei, die besser passt als "irgendwann vielleicht".
Lass uns zusammen dem grauen Wetter trotzen. Es ist nämlich viel lustiger, gemeinsam zu schwitzen, als alleine zu frieren.
Namasté
Dein George
